Zimmerbühne Potsdam

»NOCHMAL DAVON GEKOMMEN. Berichte aus dem Provisorium.«

2022 steht das Programm der Zimmerbühne unter dem Motto »NOCH MAL DAVONGEKOMMEN. Berichte aus dem Provisorium.« Wir leben in katastrophischen Zeiten. Vom griechischen Wortsinn her ist die „Katastrophe“ eine „Umwendung“. Aber die dauernde Umwälzung hält doch niemand aus! Wie lebt man unter diesen Bedingungen, in einem andauernden Provisorium? Und: Muss die Katastrophe eigentlich immer ein Desaster sein? Oder liegt in der Umwendung auch eine Chance?

Geleitet von hochaktuellen und zugleich zeitlosen Fragen berichten wir aus dem „Provisorium“ und nehmen die Katastrophe mit ihren vielfältigen Deutungsmöglichkeiten und Dimensionen unter die Lupe. Mit einer Vielzahl kleinerer Theaterereignisse und Lesungen wollen wir die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen bewusst anregen und fördern und die Unmittelbarkeit der Zimmerbühne nutzend einen Ort des direkten Austauschs, des (auch kontroversen) Nachdenkens in der Potsdamer Stadtgesellschaft verankern.

 

Programm

BIEDERMANN UND DIE BRANDSTIFTER von Max Frisch

Das von Max Frisch selbst als „Lehrstück ohne Lehre“ bezeichnete Stück schildert, wie der Bürger Gottlieb Biedermann Brandstifter in sein Haus einlädt, um von ihnen verschont zu werden. Seine Blindheit, sein bewusstes Wegsehen gegenüber der sich zusammenbrauenden Gefahr hat schwerwiegende Folgen.Diese Fabel wurde in verschiedene Richtungen interpretiert. Sie wurde sowohl als Warnung vor dem Kommunismus als auch vor dem Faschismus gelesen. Der derzeit international erstarkende Nationalismus und die unverhohlen fremdenfeindlich und populistisch agierende Rhetorik rechter Kräfte zeigen, dass das Stück bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Do, 8. September um 10:00 Uhr | Fr, 9. September um 10:00 Uhr & 19:30 Uhr | Sa, 10. September um 19:30 Uhr

Es spielen: Stephan Schill (Biedermann), Andrea Seitz (Babette Biedermann), Reiner Gabriel (Schmitz), Jörg Vogel (Eisenring), Julia Borgmeier (Anna), Maximilian Hintz (Dr. Phil / Polizist)

DEUTSCHLAND. EIN WINTERMÄRCHEN von Heinrich Heine

Ein Mann mit einem geheimnisvollen Koffer betritt einen kargen Raum, eine Absteige womöglich und beginnt mit der Erzählung seiner Reise durch Deutschland. Während er erzählt, immer wieder unterbricht und mit dem Publikum scherzt, öffnet er den Koffer und entdeckt dabei überraschend neue Sichtweisen auf Deutschland und Heines Vision eines Europas, die bestehenden Nationalismus und althergebrachte Engstirnigkeit nicht nur benennt, sondern überwinden will. „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ist ein moderner, medial aufbereiteter Abend über die ewige Suche nach dem Sehnsuchtsort „Heimat“, dem Vertrauten in der ständig wechselnden Fremde des Alltags und dem Ankommen bei sich selbst.

Es spielt: Benjamin Kernen

Sa, 1. Oktober um 19:30 Uhr | So, 2. Oktober und Mo, 3. Oktober jeweils um 17:00 Uhr

ACHTERBAHN von Éric Assous

Ein älterer Mann begegnet einer jungen, hübschen Frau in einer Bar. Sie flirten, unterhalten sich und sind sich auf Anhieb sympathisch. Schnell ist klar, dass der Abend in seinem Appartement enden wird. Seine Frau, die mit dem gemeinsamen Sohn verreist ist, verschweigt er natürlich.
Doch – im Appartement angekommen, übernimmt die junge Frau immer mehr die Regie. Sie spielt mit ihm, versteckt ihre wahre Identität hinter immer neuen Geheimnissen und Gestalten. In einem Moment das verschüchterte Mädchen, wird sie im nächsten zur Femme fatale – und verdreht damit ihm wie auch dem Publikum den Kopf. Der Abend wird zu einer Achterbahnfahrt der unerwarteten Erkenntnisse und zu einer Berg- und Talfahrt der Emotionen.

Es spielen: Julia Borgmeier und Stephan Schill

Fr, 4. November & Sa, 15., 29. Oktober sowie 5. November um jeweils 19:30 Uhr | So, 16. Oktober & 6. November jeweils um 17:00 Uhr

TIMON oder KAPITAL UND RESSENTIMENT nach William Shakespeare und Joeseph Vogl

Der Abend verbindet Texte aus Shakespeares Tragödie über die Rache des freigebigen Timon an seinen undankbaren Freunden mit aktuellen Reflexionen über den Einfluss der Finanzwirtschaft auf Demokratie, Lebensalltag und zwischenmenschliche Beziehungen. Der Medienwissenschaftler Joseph Vogl analysiert messerscharf, wie Tech-Konzerne im digitalen Zeitalter ihre Marktmacht nutzen und Schritt für Schritt einen undemokratischen „Online-Staat“ schaffen.

Sa, 22. Oktober um 19:30 Uhr | So, 23. Oktober um 17:00 Uhr

DIE JUDENBANK Volksstück für einen Schaupsieler von Reinhold Massag

"Die Judenbank“ erzählt von einer verrückten Begebenheit. Die Geschichte von dem einfachen, schwer versehrten Dorfbewohner Dominikus Schmeinta, der eines Tages nicht mehr auf seiner Lieblingsbank sitzen darf, weil darauf ein Schild befestigt ist: „Nur für Juden“. Dominikus versteht die Welt nicht mehr und beginnt, über die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf das Leben in seinem Dorf zu grübeln. Die tragikomische Pointe: Er ist einer, der Verbote und Gebote achtet. Und wenn auf seiner Bank nur ein Jude sitzen darf, dann will er eben Jude werden. Ein verlogenes Idyll, ein Dorf, in dem sich eine Epoche widerspiegelt - kritikloses Mitläufertum, der ganz gewöhnliche Faschismus.

Es spielt: Felix Isenbügel (Dominikus Schmeinta)

Do, 10. November um 10:00 Uhr & 13:00 Uhr | Fr, 11. November um 10:00 Uhr & 19:30 Uhr

TANNÖD - Eine Spurensuche Live-Hörspiel nach dem Roman von Andrea Maria Schenkel

„Am Sonntag war kein Einziger von denen in der Kirche. Da muss was passiert sein!“ Seit Tagen dringt vom abgelegenen Danner-Hof kein Lebenszeichen mehr ins Dorf. Im Stall brüllt das Vieh. Zunehmend schöpft die Dorfgemeinschaft Verdacht, dass der berüchtigten Bauernfamilie etwas zugestoßen sein könnte. Andrea Maria Schenkel (*1962) zählt zu den renommiertesten Kriminalautorinnen Deutschlands. Ihr Debütroman „Tannöd“ aus dem Jahr 2006 ist an einen wahren Kriminalfall aus dem Jahr 1922 angelehnt, der bis heute, genau hundert Jahre später, nicht aufgeklärt werden konnte. Der mehrfach preisgekrönte Bestseller kommt nun in einer Bearbeitung von Maya Fanke und Doris Happl als audiovisuelles Live-Hörspiel in die Zimmerbühne.

Es spielen: Barbara Fressner, Jörg Vogel, Rosario Bona, u.a.

Sa, 12. November um 19:30 Uhr & So, 13. November 17:00 Uhr| Sa, 10. Dezember um 19:30 & So, 11. Dezember um 17:00 Uhr

JUGEND OHNE GOTT nach dem Roman von Ödön von Horváth

"Jugend ohne Gott aus dem Jahr 1937 erzählt die Geschichte eines Lehrers im heraufziehenden Nationalsozialismus und ist die hellsichtige Analyse einer Gesellschaft, in der Werte und Moral ins Rutschen geraten. Am mikrokosmischen Abbild einer Schulklasse zeichnet er die schleichenden Veränderungen nach, die eine freiheitliche, demokratische Gesellschaft in Richtung Verrohung und Diktatur driften lassen. Der Lehrer Horváths ist dabei kein Held. Er hadert und ringt mit sich, indem er sich in einer von Verrohung und Vermassung bedrohten Gesellschaft als aufrichtiges Individuum zu behaupten versucht.Horváths Roman verhandelt die Frage, wie sich der einzelne Mensch zu den Strömungen seiner Zeit stellt, oder anders gesagt: Für welche Werte stehe ich ein?

Es spielen: Marianna Linden, Jasmin Besemer, André Kudella, Jona Hansen, Jacob Meinecke
Regie: Andrea Pinkowski

Premiere: Do, 17. November um 19:30 Uhr

Weitere Termine: Fr, 18. November um 19:30 Uhr; Sa, 19. November 19:30 Uhr & Sa, 26. November 19:30 Uhr| 23., 24., 25. November jeweils um 10:00 Uhr | So, 27. November 17:00 Uhr

DER SCHNEEGENBOGEN nach dem Buch von Felix Isenbügel | geeignet für Kinder ab 4 Jahren

Der erste Schnee fällt und ein kleiner Junge freut sich so sehr, dass er hinausstürmt und einen Schneemann baut. Der Junge und der Schneemann werden dicke Freunde und sie verbringen einen wundervollen Winter zusammen. Doch dann kommt der Frühling. Der   Schneemann weiß, dass seine Zeit bald gekommen ist. Was nun? „Der Schneegenbogen“ nimmt die kleinen Zuschauer mit auf eine musikalische Reise über Freundschaft, Vertrauen und die Freude des Wiedersehens.

Es spielen: Felix Isenbügel und Arne Assmann

Di, 29. & Mi, 30. November um 10:00 Uhr | Do, 1. Dezember um 10:00 Uhr

DER KLEINE PRINZ nach Antoine de Saint-Exupèry, dramatisiert von Elisabeth Vera Rathenböck

Der kleine Prinz und ein Pilot, der mit seinem Flugzeug abgestürzt ist, treffen mitten in der Wüste aufeinander. Der kleine Prinz bittet den Piloten: Zeichne mir ein Schaf! Bald stellt sich heraus, dass der kleine Prinz von einem fernen, kleinen Planeten stammt. Zusammen mit dem Piloten kann der kleine Prinz lachen, träumen und Sonnenuntergänge genießen. Bald wird ihm klar, dass er auf seinen Planeten zurückkehren muss, denn dort wartet seine kleine widerspenstige Freundin, eine Rose, auf ihn…

Es spielen: Michael Gerlinger (Pilot, König, Geograph), Clara Schoeller (kleiner Prinz), Felix Isenbügel (Rose, Fuchs, Geschäftsmann) und Arne Assmann (Musiker)

Sa, 3. & So, 4. Dezember jeweils um 15:00 Uhr | Mo, 5., Do, 8., Fr, 9. Dezember jeweils um 10:00 Uhr

Spielplan & Tickets

 

Neue feste Spielstätte in Potsdam West

 

Seit September 2020 kann das Theater Poetenpack die Spielstätte in der Zimmerstraße 12b uneingeschränkt als Proben- und Spielort nutzen. Nachdem die Eröffnung der Bühne Corona-bedingt zweimalig verschoben werden musste, konnte es im Oktober 2021 endlich losgehen. 

Zimmerbühne Potsdam, Zimmerstraße 12b, 14471 Potsdam

 

Sie wollen die Zimmerbühne mieten? Alle Informationen zur Vermietung finden Sie hier.

Team

Künstlerische Leitung und Geschäftsführung:
Andreas Hueck

Büroleitung und Buchhaltung:
Marina Werl

Büromitarbeit:
Natallia Dittmar

Künstlerisches Betriebsbüro:
Tetyana Schönfeld

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Valeska Graffé

Gastspielakquise & KBB:
Katharina Dembski

Büroassistenz:
Antonia Kieburg

Fördergeld- und Vertragsmanagement:
n. n.

Controlling:
Peter Bób

Ausstattung:
Janet Kirsten

Projektleitung, Technik, Beleuchtung:
Christian Hoffmann

Projektleitung:
Alexander Schierhorn

Malerei und Grafik:
Rayk Goetze